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MARTINI
ON THE ROCKS
Erschütternd, nicht rührend |
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Opel - ein Sommermärchen
Ach, was waren das für düstere Zeiten, als wir noch um die deutsche Tochter von General Motors bangten und mit Hunderttausenden Beschäftigten von Opel hofften, dass der Kelch an ihnen vorüber fahre. Die morbide Opel- Dämmerung - Monate lang hat sie uns aufgewühlt. Wir machten uns gemein mit den von Entlassung bedrohten Autowerkern. Mehr noch: Ungezählte deutsche Autofans beteuerten, diese Marke wieder zum wahren Volkswagen aufsteigen zu lassen, und klebten sich im Geiste ein Solidaritätsschild auf die Stirn: Jeder Popel fährt 'n Opel. Das war keine Warnung, das war ein Versprechen! Die armen Opelaner wurden getragen von einer Welle des Mitgefühls. Und im Gedächtnis an den selig entschlafenen Opel-Kapitän, den überzeugte Mercedes-Nichtfahrer so liebten, sangen die Deutschen das trotzige Kampflied: Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise. Seit wenigen Tagen weiß das staunende deutsche Volk, welche Abfindungen ausscheidenden Opel-Beschäftigten gezahlt werden sollen. Mit bis zu 250.000 Euro - im Schnitt sind es mehr als 100.000 Euro po Nase - wird dem Opelaner der Abgang versüßt. Das von Pleite bedrohte Unternehmen von gestern, das um Staatshilfen buhlte, ist heute in der Lage, Köstliches zu bezahlen, um die Beschäftigtenzahl zu verringern. Wie kann sich ein Wirtschaftsblatt so schnell wenden? GM, die Mutter von Opel, die der amerikanische Steuerzahler mit vielen Milliarden gerettet hat, kehrt an die Börse zurück und will sich von den Anlegern rund 16 Milliarden Dollar holen. Im GM-Börsenprospekt lesen wir auch was über Opel: Die Tochter sei noch nicht in trockenen Tüchern. Wenn die Umbaumaßnahmen schief gingen, könnte Opel am Ende doch noch sterben. Die Botschaft ist deutlich: Greift zu, ihr Opelaner, so lange euch der Abgang noch vergoldet werden kann. Was lernen wir daraus? Erstens: Wenn der Staat in den Wirtschaftsmarkt eingreift, entstehen mit traumhafter Sicherheit Kuriositäten. Zweitens: Wir sollten mit weiteren Opel-Hilfsaktionen warten, bis in Deutschland eine neue Abwrackprämie für fernöstliche Autos eingeführt wird. Dann tauschen wir gerne unseren Koreaner in der Garage gegen einen Solidaritäts-Opel ein. Samstag, 21. August 2010 |
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*© MARTIN WILLING |