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| DEUTSCHLANDS HANDVERLESENES KULTURMAGAZIN FÜR NIEDERRHEIN-OSTFRIESEN |
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MARTINI
ON THE ROCKS
Erschütternd, nicht rührend |
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Discounter-Sündenfall der
Ostfriesen
In den niederrheinischen Gemeinden werden die Discounter mit klar definierten Ortssatzungen, welche Ansiedlung in welcher Größenordnung wo erlaubt ist, in ihrem Drang an den Ortsrand gebremst. Zwar klappt das nicht immer in Reinkultur, wie ein Fall aus Kevelaer zeigt: Dort konnte sich das Unternehmen Lidl erfolgreich auf ein Grundstück am Stadtrand klagen. Aber die Hauptbremse wirkt. Supermärkte vor den Toren der Stadt, weiß man längst, ziehen Besucher aus der City ab. In der ostfriesischen Gemeinde Großheide, zwischen Aurich und Norden gelegen, haben sich die Verantwortlichen im Rathaus die gelbe Zitrone für herausragende falsche Ansiedlungsentscheidungen verdient. Fernab verdichteter Wohnbebauung, für Fußgänger aus dem Ortskern in unerreichbarer Ferne, durfte sich "Aldi" ansiedeln. Zur Freude der Supermarkt-Freunde: Dort gibt es Parkplätze satt, und die Beschäftigten an der Kasse sind immer gut gelaunt, weil ihr Laden besuchermäßig schön übersichtlich ist. Dass dieser Supermarkt an der Peripherie den vor einigen Jahren aus dem Boden gestampften Gemeindekern mit Rathaus und Ladenlokalen, Schulzentrum und Apotheke nicht beleben kann, ist ebenso offenkundig wie die Unnötigkeit einer solchen Ansiedlung. Niemand, auch in Großheide, würde ohne den ortskernfernen Supermarkt in Gefahr des Verhungerns geraten. Im Dorf und in seinen gewachsenen Nebenzentren gibt es Einkaufsmöglichkeiten genug. Auch in den beiden Metropolen des Kreises Aurich, in Norden und in der Kreisstadt Aurich, schreitet die Zersiedelung der ausgedehnten Stadtgebiete voran. Neben den Kernen entwickeln sich starke Nebenzentren, in denen stets die Filialisten dominieren. Um ihre Bürgersteige abends nicht hochklappen zu müssen, jagen die Stadtmacher für die vielen Touristen ein Volksfest nach dem anderen durch die Straßen. Was die oft inhabergeführten Qualitäts-Geschäfte in der City davon haben sollen, erschließt sich nicht. Das Rad muss wegen der falschen Ansiedlungspolitik immer schneller gedreht werden: Ohne neue Remmidemmi-Events würden die Innenstädte einschlafen. Die wirtschaftlichen und kulturellen Folgen der fortgeschrittenen De-Attraktivierung der Innenstädte sind noch unter der Decke, weil Ostfriesland nach wie vor eine gefragte Urlaubslandschaft ist und viele Besucher anzieht. Wie lange bleiben die Urlauber begeistert, wenn ihr Ferien-Umland genau so aussieht wie ihr Zuhause? Donnerstag, 19. August 2010 |
... oder wie
wir
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*© MARTIN WILLING |