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DEUTSCHLANDS HANDVERLESENES KULTURMAGAZIN FÜR NIEDERRHEIN-OSTFRIESEN

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Nuntii Martini
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Erschütternd, nicht rührend
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  Vom Papstlolly zum Pilgertropfen 

Die Kritik war nicht zuckersüß, sondern ätzend. Als 1986 im Vorfeld des Besuchs von Johannes Paul II. in Deutschland ein Papst-Lutscher auf den Markt kam, war die kirchliche Obrigkeit sauer: Wer behaupte, mit dem Verkauf der Papstlollys würde die Reise des Heiligen Vaters finanziert, werde strafrechtlich wegen Verleumdung belangt, drohte damals der Wallfahrtsrektor von Kevelaer.

Aktueller Papstlolly aus Italien. 

Kevelaer war lutschermäßig unmittelbar tangiert, denn dort war der Unternehmer ansässig, der das Giga-Bonbon auf der Stange vertrieb. Im Umlauf war das Gerücht, der Vatikan habe die Lizenz zum Lutschen erteilt, lasse sich den Gebrauch des Papstbildes auf dem Lolly gut bezahlen und finanziere so die bevorstehende Deutschland-Reise des Heiligen Vaters. 

Wallfahrtsrektor Richard Schulte Staade war außer sich. Er informierte höchste kirchliche Stellen über die Verdächtigungen, und nach kriminalistischen Recherchen stand fest: Der Kevelaerer Süßwarenhersteller hatte die auf dem Index stehenden Papstlollys gar nicht hergestellt, sondern fix und fertig aus Italien bezogen. Und eine Lizenz für das Papstbild auf dem Lutscher hatte der Vatikan nicht erteilt, schon deswegen nicht, weil er gar nicht gefragt worden war.

Nach dieser Aufklärung war wieder Ruhe im Dom. Und nur noch in Leserbriefen der regionalen Zeitungen lebte der Papstlolly eine Weile weiter, der, obwohl quietsch-süß, ziemlich geschmacklos sei.

Heute ist man auch in Kevelaer nicht mehr zimperlich. Die berüchtigte "Maria im Schnee" besitzt längst die höheren Weihen eines Kultobjekts. Einige Sammler sind sogar äußerst scharf hinter neuen Varianten der Schneekugel her. 

Was ist falsch daran, Geschäfte mit Pilgern zu machen? Nichts. Wer nicht an einem Papstlolly schlecken möchte, kann es ja lassen. Und wer Bedenken gegenüber dem Knabbergebäck hat, das die neue Hostienbäckerei in Kevelaer seit kurzem aus dem Verschnitt der Hostienproduktion herstellt und in Tüten anbietet, dem sei verraten, dass es nicht dick macht: Weizen und Wasser - mehr ist nicht drin.

Gegen den "Pilgertropfen", den ein Unternehmen in Kevelaer jetzt anpreist, lässt sich auch nur einwenden, dass der Kräuterlikör Alkohol enthält. In Maßen getrunken, wird er die Sinne wohl kaum vernebeln.

Das hätte aber die "Josefsquelle" getan, wenn sie überlebt hätte: Nachdem in den 90ern erfolgreich nach Heilwasser gebohrt worden war, wurde die angezapfte Solequelle nach dem Quellenfinder benannt, und der hieß Josef mit Vornamen. Die "Josefsquelle" in Kevelaer wurde deutschlandweit bekannt, als Ulrich Wickert in den "Tagesthemen" die Kombination von "Maria und Josef" karikierte. 

Die Quelle blieb gottlob ungenutzt. Und die Mär vom wundertätigen Heilwasser in Kevelaer wie dem in Lourdes versank in Vergessenheit. Und das war auch gut so. 

Donnerstag, 12. August 2010

 

 

 

... oder wie wir
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DER PALME

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