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| DEUTSCHLANDS HANDVERLESENES KULTURMAGAZIN FÜR NIEDERRHEIN-OSTFRIESEN |
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MARTINI
ON THE ROCKS
Erschütternd, nicht rührend |
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Was scharf ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Als "Verschärfung" gilt, dass nun auch tatverdächtige Ordensangehörige und Ehrenamtliche, also nicht nur wie bisher Bistums-Kleriker und andere Kirchenmitarbeiter, "grundsätzlich" der Staatsanwaltschaft gemeldet werden müssen - eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Statt "Null Toleranz" sehen die neuen Richtlinien Ausnahmen vor: Falls das Opfer Vertraulichkeit wünscht, wird die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet. Missbrauchs-Priester, die sich an Minderjährigen sexuell vergangen haben, werden auch nach den neuen Richtlinien keineswegs in die Wüste geschickt. Sie dürfen weiterarbeiten, freilich nicht in der Nähe von Kindern und Jugendlichen. Über die Versetzung des gefallenen Kirchenmannes wird nur der neue Vorgesetze, nicht die neue Gemeinde informiert. Hätte auch der Staat so butterweich verschärfte Richtlinien, würde ein Grundschullehrer, der sich an Kindern vergangen hat, lediglich vom Unterricht abgezogen und in der Schulbehörde mit administrativen Aufgaben betraut. Das ist ein schöner, ruhiger Job. Überführte Priester fliegen also immer noch nicht raus, sondern dürfen - wie der Abschlussbericht für das Bistum Münster gerade für einen Fall am Niederrhein offenbart hat - "unerkannt" in neuen Gemeinden als Seelsorger arbeiten. So viel Barmherzigkeit den Verbrechern im Priesterrock gegenüber würde man sich für die Missbrauchs-Opfer wünschen. Und auch für ungezählte andere Betroffene, denen die Kirche Leid zufügt oder die an ihrer Kirche leiden. > Die
neuen Leitlinien im Wortlaut Mittwoch, 1. September 2010 |
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*© MARTIN WILLING |