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DEUTSCHLANDS HANDVERLESENES KULTURMAGAZIN FÜR NIEDERRHEIN-OSTFRIESEN

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Erschütternd, nicht rührend
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Killt das Internet unsere Zeitungen?

Der Zeitungsmarkt brennt und niemand weiß so recht, wie er gelöscht und gesichert werden kann für die nächste Generation von Lesern. Viele Zeitungen suchen ihr Heil im Internet - und haben doch nur weitere Kosten am Hals. Denn wie die Zeitungsverlage mit ihrem Qualitätsjournalismus im Netz Geld verdienen können, wissen sie bis heute nicht. Ihre zu kostenlosen "Anzeigenblättern" verkommenen Internet-Auftritte sind vielfach eine Zumutung. Neueste Programmiertechniken erlauben, Anzeigen in und über die redaktionellen Texte fliegen zu lassen und die Leser hartnäckig zu ärgern, bis endlich der gut versteckte "Verschwinde endlich!"-Button gefunden und angeklickt worden ist. Das katastrophale Durcheinander auf den Homepages selbst der größten Zeitungshäuser ist reine Notwehr der Verlagskaufleute: Nur mit Banner-Werbung, die immer geschickter daherkommen muss, um noch bemerkt und angeklickt zu werden, können die Verlage einen Teil ihrer Internet-Kosten hereinspielen.  

Gute Nachrichten von der Zeitungsfront sind äußerst rar geworden. Aber manchmal tauchen sie auf, wie jetzt zum 150-jährigen Bestehen der "Rheiderland- Zeitung", der ältesten Zeitung Ostfrieslands.

Rheiderland-Zeitung,
150 Jahre alt.
 

Die eigenständige Rheiderland-Zeitung (RZ) erscheint seit 1860 in Weener. "Ihr Verbreitungsgebiet ist das ostfriesische Rheiderland. Sie wird von dem kleinen Verlag H. Risius KG herausgegeben. Neben den 'Ostfriesischen Nachrichten' in Aurich ist die RZ die letzte eigenständige Tageszeitung Ostfrieslands", lesen wir bei Wikipedia.

Paradoxe Situation für Zeitungen: Noch nie wurde soviel publiziert wie heute - aber immer mehr digital im Internet. Zu Publikumsrennern haben sich neue Medien wie twitter, facebook & Co. entwickelt. Auch hier gilt: Kein Mensch weiß, wie sich Qualitätsjournalismus verkaufen lässt - außer durch indirekte Finanzierung mittels Werbung. Derweil brechen die einst so goldenen Rubrikenseiten der Zeitungen mit Tausenden von Anzeigen weg wie alte Semmeln. 

Ihr wichtigster Rohstoff, die von Berufsjournalisten erarbeitete und formulierte Nachricht, ist zur Beliebigkeit verkommen, denn jeder Hanswurst veröffentlicht heute Nachrichten, manchmal lange, meistens kurze. 

Geradezu wie eine Verzweiflungstat mutet der Versuch der Düsseldorfer Zeitung "Rheinische Post" an, die heute ihr neues ditigales Zeitungsarchiv eröffnet hat und auf viele zahlende Leser hofft: Wer nach dem aus Google bestens bekannten Suchverfahren ein Stichwort eingibt, dem werden die gefundenen Zeitungsartikel angeboten - zum Kauf von 1,19 Euro pro Artikel. Soviel Geld für einen Text zu verlangen, dessen Güte und Brauchbarkeit man vor dem Kauf nicht überprüfen kann, ist bewunderswert mutig. Was würden andere Zeitungsverlage dafür geben, wenn der Versuch klappen würde! Würde der Artikel-Verkauf nennenswerte Umsätze einspielen, hätten die Zeitungen den Stein der Weisen gefunden, den sie seit Jahren wie eine Stecknadel im Heuhaufen suchen.

Zweifel am Erfolg sind angebracht. Die Internet-User sind durch die jahrelange Praxis der Verlage, ihre Nachrichten zu verschenken, an das Umsonst-Lesen gewöhnt. Niemand ist im Angesicht der unglaublichen Informationsfülle im Netz darauf angewiesen, bestimmte Artikel zu kaufen. Die allerwenigsten, so die bisher gesicherte Erkenntnis, sind bereit, Geld für Informationen aus dem Netz auszugeben. So werden die Zeitungsverlage die Geister nicht los, die sie selbst aus der Flasche gelassen haben.

Nur sehr wenigen Medienhäusern, dem "Spiegel" zum Beispiel, der "Zeit" oder der "F.A.Z.", ist es gelungen, den vorzüglichen Ruf ihrer Printprodukte auf ihr Internet-Angebot zu projizieren. Wegen ihres glaubwürdigen Qualitäts-Versprechens werden sie von Internet-Usern bevorzugt angeklickt. Geld verdienen selbst diese Unternehmen der ersten Liga nicht mit dem Internet. Auch sie können sich nur damit trösten, dass ihre Netz-Angebote irgendwie und irgendwann ihr gedrucktes Flagschiff vorwärts treiben. 

Sterben unsere Zeitungen? Nein, natürlich nicht. Es sei denn, die Verlage  boulevardisieren ihre Blätter noch weiter und lassen immer mehr ungebildete Rotznasen-Journalisten an die Front. 

Zwei Regeln hat das Internet aufgestellt: Zuspruch und viele Clicks bekommt nur, wer einen vorzüglichen Ruf hat. Oder einen hundsmiserablen.

Zukunftssicher ist nur die erste Variante.

Nicht wenige Verlagshäuser sind dabei, das gute Ansehen ihrer Printprodukte zu ruinieren und damit die Grundlage für einen wirtschaftlichen Erfolg im Internet der Zukunft zu verspielen. Denn erst stirbt die schlechte Zeitung, dann die Hoffnung, wenigstens im Internet zu überleben.

Der Autor dieses Beitrags war bis von 1981 bis 2008 Herausgeber der Zeitung "Kevelaerer Blatt" und publiziert seit 1995 im Internet.

Samstag, 28. August 2010 

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