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"Hier weht uns das
Evangelium ins Gesicht"
Pilgerfahrt mit
Weihbischof Heinrich Janssen ins Heilige Land
VON DELIA EVERS

Auf dem See Genesaret: Heilige Messe auf dem Boot.
Mit
dem Pfingstfest, sagte im 4. Jahrhundert der Heilige Gregor über Christus,
fangen „die Taten des Geistes an“ und enden die körperlichen Taten. Den
Spuren dieser körperlichen Taten gingen wir als Pilger nach, begleitet von
Weihbischof Heinrich Janssen (Xanten).
Frühling in Israel: Es gibt
keine andere Jahreszeit, in der Pilger mit den Feiertagen Karfreitag,
Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten die Heilsgeschichte so unmittelbar
erleben könnten. Wir Wallfahrer gehen dieselben Wege, die Jesus gegangen
ist, und erleben Israel an diesen Festtagen im Jahreskalender.
Gründonnerstag
stehen wir auf dem Ölberg und bestaunen wie Christus damals die Pracht von
Jerusalem; wir können verstehen, warum er beim Anblick der Goldenen Stadt
weinte, denn er wusste, dass „eine Zeit für Dich kommen wird, in der
Deine Feinde keinen Stein auf dem anderen lassen“. Später stellen wir uns
im Abendmahlssaal vor, wie Jesus mit seinen Jüngern zum letzten Mal das
Brot teilte; wir hören in St. Petrus zum Hahnenschrei die Matthäus-Erzählung
von Petrus, der Christus dreimal verleugnete, ehe der Hahn krähte.
In der Wüste
En Gedi feierte die Pilgergruppe mit Weihbischof Heinrich Janssen (Xanten) -
hier mit der Leiterin des Bischöflichen Büros, Maria Meyer - die heilige
Messe.
Karfreitag gehen wir auf der
Via Dolorosa den Kreuweg. Hier ist auch Christus gegangen; es gibt wohl kaum
jemanden in unserer Gruppe, der nicht bewegt Bilder vor Augen hat, wie Jesus
sich hier, beladen mit dem Kreuz, durch die engen Gassen und die
Menschenmengen hinauf nach Golgatha geschoben hat. Eine Frau aus unserer
Gruppe ist ergriffen. „Zum ersten Mal“, sagt sie, „fühle und weiß
ich, daß Christus ein Mensch aus Fleisch und Blut war, der darum auch
gelitten hat wie ein Mensch“. Bei solchen Erfahrungen wird aus den „körperlichen
Taten Jesu“ eine geistige, wie sie der Heilige Gregor beschrieben hat. Es
gibt in diesen elf Tagen mehrere solcher Erfahrungen.
Dabei spielt es keine Rolle,
genau an der Stelle zu stehen, an der Christus gestanden hat, oder im Garten
Getsemane die eigene Hand an den 2000 Jahre alten Olivenbaum zu legen, den
auch er berührt haben mag. Trotzdem geht uns in dem unmittelbaren Erleben
seiner Heimat das Herz auf. Weihbischof Heinrich Janssen (Xanten), unser
geistlicher Begleiter, sagt später am See Genezareth: „Hier weht uns das
Evangelium gleichsam ins Gesicht. Hier ist Christus gern gewesen, hier sehen
wir auf Schritt und Tritt seine Spuren“ - und bei einer anderen
Gelegenheit: „Hier berühren sich Himmel und Erde“.
Die
Pilgerreise ist, so viel wir auch sehen und auf den Märkten an schönen
Dingen kaufen können, nie eine touristische Veranstaltung. Heinrich Janssen
macht jeden Gottesdienst zu einem Fest, das zu den schönsten Erlebnissen zählt.
Seine Predigten verbinden uns mit den Orten, an denen wir feiern, gleich ob
es in der Auferstehungsnacht die Geburtsstadt Betlehem ist oder der Berg der
Seligpreisungen über dem See Genezareth, dessen Schönheit unvergleichlich
ist und jemanden aus der Gruppe voller Staunen sagen läßt: „Das ist das
gelobte Land!“ Diese Gewissheit nehmen viele von uns mit nach Hause.

Blick auf Jerusalem vom
Ölberg aus. Fotos:
Delia Evers
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ISRAEL 2001
© DELIA EVERS
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